Erklärung zum 2. Jahrestag des Anschlags in Hanau

Auch 2 Jahre nach dem Anschlag sind wir traurig und wütend. Zum Jahrestag und an vielen Tagen dazwischen, sind unsere Gedanken immer wieder bei den Opfern und ihren Angehörigen. Dem rechtsterroristischen Anschlag vielen 9 migrantisierte Menschen und die Mutter des Rechtsterroristen zum Opfer. Mehrere der Opfer waren kurdischer Herkunft.

Viele der Angehörigen haben sich nach dem Anschlag im kurdischen Kulturzentrum in Hanau versammelt, um Schmerz und Kummer zu teilen. Der Schmerz hält bis heute an. Tote werden nicht wieder auferstehen, Menschen können nicht ersetzt werden. Es bleibt, ihrer würdig zu Gedenken.

Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov, Gabriele Rathjen.

Um sie trauern wir, wir werden ihre Namen nicht vergessen und wir sind wütend. Wir sind wütend, weil politische Verantwortliche sich in diesem Land rechten Netzwerken nicht entschieden entgegenstellen. NSU, Halle, Walter Lübcke, Hanau. Jede*r weiß sofort, was gemeint ist, und doch bleibt die Polizei viel zu oft auf dem rechten Auge blind. An anderen Stellen der Gesellschaft ergibt sich ein ähnlich düsteres Bild: Nur 14 Tage vor dem Anschlag hat sich ein FDP Politiker mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen und diese Wahl angenommen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Politische Repräsentanten machten nach dem Anschlag ausschließlich türkischen Institutionen die Aufwartung. Die Identität vieler Opfer als Kurd*innen wurde ignoriert. Ob aus Ignoranz oder als Gefallen für das Erdogan Regime lässt sich nicht sagen, aber dass sich niemand die Mühe gemacht hat auf die Identität und Herkunft der Opfer korrekt und präzise einzugehen, spricht Bände.

Ein Jahr nach dem Anschlag sollte es in Hanau eine große Demonstration geben, es war bundesweit mobilisiert worden. Der Toten zu gedenken und der Politik zur Mahnung, dass wir Konsequenzen aus dem Rechtsterrorismus sehen wollen, dass Migrant*innen häufig nicht von der Polizei beschützt werden, sondern regelmäßig beschuldigt.
Die Demonstration, wie sie geplant war, wurde am Vorabend verboten. Als Begründung wurde die Pandemie herangezogen. Dieselbe Pandemie, in der große Teile des deutschen Bürgertums zu Zehntausenden, ohne Masken und ohne Eingreifen irgendwelcher Behörden, gegen ein vermeintliches Corona-Regime demonstrierten und es immer noch tun.

Und so bleiben wir wütend und traurig. Wir fordern fest Entschlossen die Erinnerung an die Toten aufleuchten lassen und wir fordern eine Lückenlose Aufklärung.

Zum Jahrestag der rassistischen Morde sind wir in unseren Gedanken bei den Angehörigen. Wir möchten ihnen unser tiefstes Beileid aussprechen. Ihnen gilt unser Mitgefühl.

Kon-Med
Düsseldorf, den 17.02.2022

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